7 Blind Dates mit Genussfaktor

Über ein Facebook-Posting des Restaurants Vier Sinne wurde ich aufmerksam auf das Diplomprojekt von Stefanie Salge, Stefanie Sima, Miriam Pötz und Sarah Szczepanik. Gemeinsam wollen die vier Schülerinnen der Höheren Graphischen Bundeslehranstalt in Wien (zwei besuchen den Grafik-Zweig, zwei den Fotografie-Zweig) ein Kochbuch für Blinde und Sehende herausbringen. Ich habe sie in Wien getroffen.

Ein besonderes Kochbuch, nämlich eines für Blinde und Sehende, soll das Produkt der Diplomarbeit von Stefanie, Stefanie, Miriam und Sarah (v. l. n. r.) sein. Und so widmen die vier Schülerinnen trotz Maturavorbereitung und Schularbeiten seit September ihre ganze Aufmerksamkeit der Umsetzung ihres Projekts, das im April fertig sein muss. Selbst die Tatsache, dass im Oktober 2011 in Deutschland das erste Kochbuch für Blinde auf den Markt kam, konnte sie nicht aus der Ruhe bringen, denn ihr Projekt war zu diesem Zeitpunkt schon beim Ministerium eingereicht. Zudem ist die Herangehensweise eine völlig andere. Während bei der deutschen Produktion ein Haubenkoch mit zwei Blinden die Rezepte entwickelt hat, stehen bei Miriam, Stefanie, Stefanie und Sarah blinde und stark sehbehinderte Hobbyköche im Mittelpunkt, die ihre eigenen Lieblingsrezepte präsentieren.


Kandidaten gesucht

Über einen sehbehinderten Kellner des Res taurants Vier Sinne, der beim Österreichischen Blindenverein eine Jugendgruppe leitet, wurden Mitwirkende für das Projekt gesucht. Jeder Hobbykoch, der bereit war mitzumachen, wurde von den vier jungen Damen in seinen eigenen vier Wänden besucht. Jedes Mal galt es, sich auf eine neue Situation einzustellen, doch das gemeinsame Kochen und Essen brachte das Eis schnell zum Schmelzen. Mit Geschick, Erfahrung, der Unterstützung durch die Betreuungslehrerinnen und der perfekten Organisation von Geschirr, Besteck und Tischwäsche wurde jedes Gericht ansprechend in Szene gesetzt.


Kaum Unterschiede

Zudem brachte die Zusammenarbeit mit den Hobbyköchen neue Erkenntnisse ans Tageslicht. Blinde und Sehbehinderte Menschen wollen keine Sonderbehandlung. Sie kochen nicht langsamer als Sehende und lassen auch nicht öfter etwas anbrennen. Vielmehr lernen sie mit ihrem Handicap umzugehen und behelfen sich mit sprechenden Waagen, Messbechern, Weckern, detaillierten Anleitungen und nicht zuletzt mit sehr viel Gefühl.


Hoffen auf Unterstützung

Doch die Umsetzung des Projekts verlangt nicht nur Einsatz und Zeit, sie wird überhaupt erst mit Hilfe vieler Mitwirkender möglich. Die Herstellung der Brailleschrift- Bögen zwischen den Textseiten, auf denen Zutaten und Zubereitungszeit der Rezepte abgedruckt sind, sowie das begleitende Hörbuch mit der Zubereitung (stark sehbehinderte Menschen beherrschen mitunter die Brailleschrift nicht einwandfrei) bedeuten einen großen finanziellen und organisatorischen Aufwand. Auch wenn das Hörbuch von professionellen Sprechern kostenlos eingesprochen wurde, müssen Textpassagen in Brailleschrift übersetzt, Material und Druck bezahlt werden. Daher werden noch Sponsoren gesucht, die für Teile der Produktion aufkommen, schließlich wäre es wirklich schade, wenn eine so engagierte Idee an finanziellen Grenzen scheitern müsste.


Kontakt: ssima [at] gmx [dot] net oder mimi [dot] poetz [at] gmail [dot] com