Fasten nach Hildegard von Bingen

Die heilkundige Äbtissin aus dem mittelalterlichen Deutschland des 12. Jahrhunderts hat in ihren Schriften vielerlei Anleitungen zum Thema „Fasten“ hinterlassen. Für Hildegard war das „rechte Maß“ stets ein wesentlicher Punkt in ihrer Betrachtungsweise der Dinge und der Welt. Unmäßige Völlerei hat sie immer wieder als Ursache körperlicher Beschwerden entlarvt – ein Übel, das auch heutzutage weitverbreitet und an vielen sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ beteiligt ist. Hildegard von Bingens zeitlose Lösungsansätze sind daher auch aus heutiger Sicht mehr als berechtigt.

Text und Rezepte: Ulli Zika, www.gesundundgut.at 

Das bereits erwähnte „rechte Maß“ hatte bei Hildegard von Bingen auch beim Fasten Gültigkeit. So hat sie von unregelmäßigem und konzeptlosem Fasten abgeraten. Einige Personengruppen sollten laut ihren Empfehlungen gar nicht fasten, dazu gehören Kinder, Schwangere, Stillende, schwer kranke und sehr schwache oder alte Menschen. Wer aber bei guter Gesundheit ist, dem könne eine phasenweise Askese dabei helfen, Giftstoffe loszuwerden und neue Kraft zu tanken.

 

Wozu Fasten?

Fasten wird in der Hildegard-Medizin als wichtiges Instrument zur Gesunderhaltung angesehen. Den Giftstoffen, die sich im Laufe des Alltags durch Ernährungssünden, wenig Bewegung und Umweltbelastungen in uns abgelagert haben, kann durch das Fasten wieder der Weg aus unserem System gewiesen werden. Durch die zeitweilige Enthaltsamkeit können Magen, Darm, Leber, Galle, Herz und Kreislauf Urlaub machen und sich regenerieren. Die Devise
lautet in diesem Fall „weniger ist mehr“, und dies tut nicht nur unserem Körper gut. Wer fastet, sollte sich ausreichend Zeit für sich, sowie für Stille und Einkehr gönnen, um auch den reinigenden Aspekt für seine oder ihre Seele gut ausschöpfen zu können. Ausgehdehnte Spaziergänge in der Natur, Meditation, Entspannung und Selbstreflexion gehören zu einem reinigenden Fastenprozess nach Hildegard ebenso wie der phasenweise Verzicht auf das gewohnte Nahrungsangebot.


Verschiedene Fastenformen
Neben den klassischen Hildegard-Fastenkuren, bei denen 6–10 Tage gänzlich auf feste Nahrung verzichtet wird, empfehlen Hildegard-Heilkundige auch eine Reihe von sanfteren Fastenformen. Dazu gehören u. a. das Dinkel-Obst-Gemüse-Fasten, die Dinkel-Reduktionskost, das Dinkel-Brot-Fasten oder das Hildegard-Suppen-Fasten.


Gemüsevielfalt Dinkel-Obst-Gemüse-Fasten
Bei dieser einfachen „Einsteiger“-Fastenform wird auf Fleisch und tierische Fette verzichtet. Dinkel – das Lieblingsgetreide der heiligen Hildegard von Bingen – wird in vielerlei Varianten mit Gemüse und Obst kombiniert.


Dinkel-Reduktionskost
Die Dinkel-Reduktionskost setzt auf Dinkelbrot, „Dinkelkopfsalat“ (grüner Kopfsalat mit gekochten Dinkelkörnern, oft mit Kräuterdressing abgemacht) und Fencheltee im täglichen Wechsel mit der Dinkel-Obst-Gemüse-Diät und wird über längere Zeiträume gerne bei verschiedenen Stoffwechselstörungen und Übergewicht empfohlen.


Dinkel-Brot-Fasten
Beim Dinkel-Brot-Fasten wird ausschließlich leicht verdauliches Dinkelweißbrot oder Dinkelmischbrot, Dinkelkopfsalat und Dinkelgrießsuppe gegessen.


Suppen-Fasten
Beim Hildegard-Suppen-Fasten können sämtliche von Hildegard empfohlenen Gemüse- und Fleischsorten mit Dinkel und Gewürzen in Form von Suppen gegessen werden.


Hildegard-Fastengetränke
Neben Fencheltee wird beim Hildegard-Fasten gerne Dinkelkaffee, Herzwein oder gelöschter Wein (Wein, der aufgekocht und mit einem Schuss Wasser „gelöscht“ wird) getrunken. Eine Besonderheit ist das empfohlene Kristallwasser – also jenes energetisierte Wasser, in das beispielsweise Bergkristall, Chalzedon oder Chrysopras eingelegt wurde.


Hildegard-Fasten als Auszeit vom Alltag
Die Bandbreite beim Hildegard-Fasten ist also groß. Sämtlichen Formen gemein ist die Reduktion und die Auszeit, die dem Körper gewährt wird. Dies tut uns gut und merzt so manche Ernährungssünde wieder aus. Wer die Fastenzeit zudem zur inneren Einkehr und Besinnung nutzen möchte, ist auch bei einer angeleiteten Hildegard-Fastenkur gut aufgehoben. Internet und Fastenratgeber weisen eine Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten aus.


Kastanien sind nach Hildegard von Bingen ein sehr wertvolles und bekömmliches Lebensmittel.Nach dem Fasten
Damit erst gar nicht so viele Ernährungssünden zur Gewohnheit werden, empfiehlt es sich, auch außerhalb der Fastenzeit einen Blick auf Hildegards Ernährungstipps zu werfen. Einer Reihe von Lebensmitteln und Gewürzen hat Hildegard von Bingen eine umfassende wohltuende Wirkung zugeschrieben. Wer diese Lebensmittel
regelmäßig in seinen Speiseplan einbaut, tut laufend etwas für seine Gesundheit und sogar für seine Laune! Dinkel macht demnach „rechtes Blut und frohen Sinn“, der Fenchel vertreibt Melancholie, wärmt und hilft unserer Verdauung, Kastanien helfen bei Herz- und Leberschmerzen und stärken Milz und Magen, und Datteln verschaffen – so die Äbtissin – dem Menschen beinahe so viel Kraft wie Brot.
Wer dann auch noch regelmäßig die Heilkraft der Hildegard-Gewürze nutzt, kann mit Galgant Herz und Kreislauf stärken, mit Bertram seine Durchblutung verbessern und Giftstoffe auch im Alltag laufend gut ausscheiden oder mit Ysop Leber und Lunge reinigen und gute Laune erzeugen. Nutzen wir also die jahrhundertealten Weisheiten der heiligen Hildegard von Bingen, um Kraft zu tanken und uns langfristig ein gesundes Ernährungsverhalten anzueignen!


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Kochen & Küche Februar 2016

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