Funktionelle Lebensmittel: "Functional Food" was ist das?

Funktionelle Lebensmittel sind Nahrungsmittel, die zusätzlich zu ihrem Nähr- und Genusswert eine positive gesundheitliche Wirkung auf unseren Körper ausüben. Die Natur liefert uns eine Fülle an funktionellen Lebensmitteln, die eine Vielzahl an gesunden Inhaltsstoffen enthalten, vorausgesetzt, wir bauen diese regelmäßig in unseren Speiseplan ein. Daneben gibt es mittlerweile viele Produkte, die von der Nahrungsmittelindustrie als „Functional Food“ propagiert und angeboten werden.

von Diätologin Andrea Wagner

Funktionelle Lebensmittel und die Nahrungsmittelindustrie

Der Ursprung des „Functional Food“ liegt in Japan. Dort werden seit 1991 unter der Bezeichnung „tokuho“ genau definierte, angereicherte Lebensmittel für spezifische Gesundheitsnutzen vermarktet. Die bekanntesten Produkte sind probiotische Joghurts mit speziellen Bakterienkulturen oder präbiotische Joghurts mit unverdaulichen Kohlenhydraten. Weitere bekannte Functional-Food Produkte sind diverse ACE-Säfte, Säfte mit Kalziumanreicherung, Brot mit Omega-3-Fettsäuren oder Margarine und Milchprodukte mit pflanzlichen Sterinen. Diese Produkte sind heute in der Werbung und im Supermarktregal omnipräsent, aber brauchen wir sie wirklich? Diese Frage kann uns die Forschung bis heute nicht klar beantworten. Der gesundheitliche Nutzen vieler Zusätze ist bislang nicht nachgewiesen, es liegen in den meisten Fällen keine wissenschaftlichen Studien vor.

Funktionelle Lebensmittel in der Natur
Stress und falsche, einseitige Ernährung beuten unseren Körper auf Dauer aus. Gleichzeitig haben wir hohe Ansprüche an unsere tägliche Ernährung. Sie soll uns Gesundheit, Wohlbefinden, Jugend und Klugheit bescheren, jedoch haben wir kaum Zeit, uns mit der Auswahl unserer Lebensmittel genauer zu beschäftigen. Gesundes Essen soll einfach so nebenher passieren. Die Lebensmittelindustrie hat diese Bedürfnisse erkannt und produziert immer mehr „Funktionelle Lebensmittel“. Die Werbung suggeriert uns, dass wir ohne diese Lebensmittel nicht ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Zum Teil muss man den Berichten auch Recht geben, da durch überlange Transportwege, falsche bzw. lange Lagerung und stark ausgelaugte Böden die Nährstoffdichte der Lebensmittel sicher nachteilig beeinflusst wird. Dennoch ist es möglich, seinen Bedarf mit herkömmlichen Lebensmitteln zu decken!

Neben den Makronährstoffen (Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate), die uns täglich mit Energie und Baustoffen versorgen, beliefern uns Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe mit wertvollen Substanzen, die unseren Körper stärken und vor Krankheiten schützen (Antioxidantien). Dazu zählen Folsäure, Carotinoide, Polyphenole, Vitamin C, Vitamin E, Omega-3-Fettsäuren, Selen, Zink, Kupfer …

Die richtige Auswahl und Kombination macht’s aus!
Es gibt kein einziges Lebensmittel in der Natur, das über alle Nährstoffe verfügt, aber eine „vernünftige“ Kombination von Lebensmitteln und Speisen kann den Körper nicht nur mit einem hohen Genusswert, sondern auch mit einem hohen Gesundheitswert versorgen. Eine gezielte, abwechslungsreiche Ernährung mit Hilfe der neuen Ernährungspyramide des Gesundheitsministeriums liefert uns ausreichend Nährstoffe.

Zum Aufbau und Erhalt der Muskulatur braucht der Körper Eiweiß bzw. kleinste Eiweißbestandteile, genannt Aminosäuren. Acht dieser Aminosäuren sind essentiell (d. h. der Körper kann sie nicht selber aufbauen). Pflanzliche wie tierische Lebensmittel enthalten diese essentiellen Aminosäuren in unterschiedlichen Anteilen. Durch die Kombination von eiweißhaltigen Lebensmitteln (wie Erdäpfel mit Ei, Getreide mit Milch oder Hülsenfrüchte mit Getreide) ergänzen sich die Aminosäurenanteile, und der Körper kann einen hohen Anteil davon nutzen. Das nennt man biologische Wertigkeit – das Erdäpfel- Ei-Gemisch (z. B. in Form von Erdäpfelpuffern, Erdäpfelgratin …) hat die höchste biologische Wertigkeit.

Vollkornbrot beispielsweise könnte man durchaus mit dem Titel „funktionelles Lebensmittel“ krönen, seine Nährstoffdichte übertrumpft jene von Weißbrot haushoch und versorgt uns nicht nur mit Energie, sondern mit einer Vielzahl von Mikrostoffen. Weißbrot wird aus dem Weißmehl Type 480 hergestellt, d. h. die Randschichten des Kornes und somit auch Vitamine und Mineralstoffe werden ausgesiebt. Die Stärke wird im Körper zu Traubenzuckerbestandteilen abgebaut und zur Gehirnzelle, Nervenzelle und auch Muskelzelle transportiert. Vollkornbrot hingegen beinhaltet neben dem Kohlenhydratanteil auch einen erheblichen Anteil an Mineralstoffen (doppelte Menge an Magnesium, Kalium) und Vitaminen (A, E, B1, B2, B6, ...). Deshalb: Weißmehlprodukte durch „volles Korn“ ersetzen! Anstatt üblicher Zutaten wie Reis und Nudeln auch öfters Pseudocerealien wie Buchweizen, Hirse, Amaranth oder Quinoa zur Zubereitung von Beilagen, Hauptgerichten oder Desserts verwenden!

Wichtige Antioxidantien sind die Spurenelemente Selen und Zink sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie z. B. Flavonoide. Alle diese Stoffe finden wir in unseren Lebensmitteln wieder. Milch, Milchprodukte (vor allem Käse), Eier, Fisch, Fleisch, Getreide, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte enthalten Zink. Der Selengehalt in Lebensmitteln ist abhängig vom Selengehalt im Boden, auf dem sie produziert werden. Hohe Selen-Werte findet man in Bierhefe, Paranüssen, Kokosnüssen, Fisch und Fleisch. Um die gesundheitliche Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen (v. a. Flavonoiden) zu erhalten, bedarf es mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich. Versuchen Sie, Obst und Gemüse auch farblich abzuwechseln (grüner Salat, rote Paprikaschoten, gelber Mais, violette Melanzani, rote Erdbeeren, orange Marillen). Falls Sie die 5 Portionen nur schwer erreichen, ersetzen Sie eine Portion durch ein Glas frisch gepressten Obst- bzw. Gemüsesaft.

Lagerung und Zubereitung
Auf keinen Fall sollten Sie Gemüse zu lange im Kühlschrank aufbewahren. Vitamin C ist ein sehr sensibles Vitamin und wird bei langer Lagerung stark abgebaut. Es ist auch weitreichend bekannt, dass durch das Kochen wertvolle Inhaltsstoffe in Gemüse und Obst stark in Mitleidenschaft gezogen werden, weshalb ein hoher Rohkostanteil bzw. schonendes Garen wichtig für eine gesunde Ernährung sind. Eine Ausnahme bildet hier das Carotinoid (Vorstufe des Vitamin A) Lycopin. Es ist vor allem in Paradeisern, Guave, Wassermelone, Papaya oder Hagebuttenmark enthalten. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Konzentration an Lycopin in verarbeiteten Lebensmitteln und Speisen verdoppelt bzw. verdreifacht (z. B. enthalten Paradeisersauce, Paradeisersuppe und sogar Ketchup viel Lycopin).

Um sich rundum wohl und gesund zu fühlen, bedarf es gezielt geplanter Ruhephasen, Bewegung und vor allem einer abwechslungsreichen Ernährung. Die Natur bietet uns so viel Abwechslung – greifen Sie zu!

 

Weitere Infos:

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