Gesunde Ernährung bei Laktoseintoleranz

Milch und Milchprodukte sind wichtige Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung und wertvolle Kalziumspender. Allerdings können sie bei Personen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) zu unterschiedlich starken Beschwerden führen. 

von Daniela Grach

Durch einen teilweisen oder gänzlichen Mangel am Enzym Laktase in der Dünndarmschleimhaut kann die Laktose nicht oder nicht gänzlich verdaut werden. Sie gelangt in den Dickdarm und wird dort von Bakterien abgebaut. Die entstehenden Gärungsprodukte können Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Durchfall, Übelkeit, Blähungen, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Unwohlsein verursachen. Die Laktoseintoleranz muss von der Kuhmilcheiweißallergie unterschieden werden, bei der es sich um eine Nahrungsmittelallergie unter Beteiligung des Immunsystems handelt. 

 

Regionale Unterschiede

In Österreich sind unter 20 % der erwachsenen Bevölkerung von Laktoseintoleranz betroffen, in Nordeuropa sind es 5–15 %. Ein Großteil der Weltbevölkerung leidet ab dem 4.–6. Lebensjahr an einer Laktoseintoleranz.  Da der Laktasegehalt mit dem Alter abnimmt (primäre Laktoseintoleranz), ist eine Milchzuckerunverträglichkeit bei Erwachsenen normal. Ursprünglich konnten Menschen die Laktose nur während des Säuglingsalters verdauen. Aufgrund der traditionellen Milchwirtschaft in manchen Gebieten hat sich dort der Körper auf die Aufnahme von Laktose eingestellt. In Europa ist ein starkes Nord-Süd-Gefälle erkennbar, so tritt in Schweden die Laktoseintoleranz mit einer Häufigkeit von rund 2 % auf, hingegen in Süditalien mit rund 70 %. In Südostasien und China besteht die Milchzuckerunverträglichkeit zu über 90 % in der erwachsenen Bevölkerung.  Bei der sekundären Laktoseintoleranz ist der Enzymmangel durch Erkrankungen (entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie u. a.), Darmoperationen oder eine Chemo- oder Strahlentherapie verursacht. Bei erfolgreicher Therapie der Grunderkrankung wird meist wieder ausreichend Laktase produziert, und die Beschwerden verschwinden. Die schwerste Form ist der seltene, angeborene Laktasemangel. Hier wird vom Säugling die Muttermilch oftmals nicht vertragen, und eine laktosefreie Diät muss lebenslang eingehalten werden. 

Die Diagnose Laktoseintoleranz wird häufig mittels eines Laktosebelastungstests und/oder eines Atemtests (H2-Atemtest) gestellt. Weitere diagnostische Maßnahmen sind die Messung des Blutzuckeranstiegs (Glukosetest) nach der Aufnahme einer definierten Menge Laktose, eine Dünndarmbiopsie und ein neu entwickelter Gentest. 

 

Zu beachten 

Viele betroffene Personen vertragen eine gewisse Menge an Milchzucker ohne Symptome. Es ist wichtig, die individuell verträgliche Menge herauszufinden. Als Ernährungstherapie hilft, je nach Intensität der  Beschwerden, eine laktosearme (8–10 g Laktose pro Tag) oder laktosefreie (weniger als 1 g Laktose pro Tag) Ernährung. Mit einer üblichen Ernährung werden pro Tag rund 20–30 g Laktose aufgenommen. Vor allem auf herkömmliche Milch und Milchprodukte sollte teilweise oder ganz verzichtet werden.  

Bei vielen Halbfertig- oder Fertigprodukten ist Milchzucker bzw. Milchpulver zugesetzt (Backwaren, Süßspeisen, Milchspeiseeis, Cremespinat, Rahmgemüse, Instantkakao, Milchschokolade, herkömmliche Margarinen, Fleischaufstriche, Saucen, fettreduzierte Mayonnaise, Erdäpfelpüreepulver, Erdäpfelteige  und vieles mehr). Bei verpackten Lebensmitteln gibt die Zutatenliste Aufschluss. Verschiedene Medikamente, homöopathische Mittel und Schüssler Salze in Tablettenform enthalten ebenso Milchzucker.  Bei Laktoseintoleranz muss meist nicht gänzlich auf Milchprodukte verzichtet werden – die individuelle Verträglichkeit bestimmt die Menge. Laktosehaltige Lebensmittel werden besser vertragen, wenn sie in kleinen Portionen über den ganzen Tag verteilt und in Kombination mit anderen Lebensmitteln konsumiert werden.  

 

Laktosefreie Lebensmittel  (kein Milchzucker)

Fleisch, Fisch, Öle, laktosefreie Margarine, Gemüse, Obst, Eier, Erdäpfel, Reis, Getreide, Sojaprodukte etc.   

 

Fast laktosefrei  (weniger als 1 g Laktose pro 100 Gramm)

Butter, Butterschmalz, laktosefreie Milch und -produkte, alle Hart- und Schnittkäsesorten und die meisten Weichkäsesorten. Sie sind meist gut verträglich, da bei der Käseherstellung der Großteil des Milchzuckers in der Buttermilch bzw. Molke zurückbleibt. Ausnahmen sind Molkenkäse und Schmelzkäsesorten mit Milchpulverzusatz.  

 

Mittlerer Laktosegehalt  (1–4,5 g Milchzucker pro 100 Gramm) 

Frischkäse (Achtung bezüglich Milchpulverzusatz), Topfen, Hüttenkäse, Crème fraîche, Sauerrahm, Obers, Joghurt, Sauermilch, Buttermilch, Acidophilusmilch, Kefir u.a. Gesäuerte Milchprodukte werden in kleinen Mengen meist gut vertragen, da ein Teil der Laktose durch die Milchsäurebakterien bereits abgebaut wird. Topfen, Käse und Co werden in Kombination mit laktosefreien Lebensmitteln, z. B. Brot, meist besser vertragen. Bei der Verwendung von Crème fraîche oder Obers ist die Menge zu beachten.  

 

Höherer bis hoher Laktosegehalt  (über 4,5 g Laktose pro 100 Gramm) 

Milch (Kuh-, Schaf-, Ziegen-, Stutenmilch sowie Muttermilch), Molke, Trinkkakao und alle mit Milch zubereiteten Speisen, wie z. B. Milchreis oder Pudding. Spezielle laktosefreie Milch und Milchprodukte,  die im gut sortierten Lebensmittelhandel erhältlich sind, stellen eine Alternative dar. Bei der Verwendung von Soja-, Reis-, Mandel- oder Getreidemilch sollte man kalziumangereicherte Produkte bevorzugen. Weitere Kalziumquellen sind Brokkoli, Fenchel, Sellerie, Lauch, Himbeeren, Brombeeren, Feigen, Trockenobst und andere Obst- und Gemüsesorten sowie Mineralwässer mit einem Kalziumgehalt von über 150 mg pro Liter.

 

Gesund genießen August 2010: 

 

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