Gesund genießen Februar 2011: Einblick in den Diät-Dschungel

Unsere Neujahrsvorsätze sind uns noch in frischer Erinnerung und das Thema „Gewichtsreduktion“ ist für viele von uns aktuell. Zahlreiche Diäten versprechen DIE Lösung von Figurproblemen. Doch können sie dieses Versprechen auch halten? Im Folgenden finden Sie einen Überblick über bekannte Diäten zur Gewichtsreduktion. Vor einigen Jahren erreichte uns der aus Amerika kommende Trend kohlenhydratarmer Diäten („low carb“). Kohlenhydrate wurden als „Dickmacher“ bezeichnet und mehr oder weniger aus dem Ernährungsplan gestrichen. Dies hat die notwendige Folge, entweder den Eiweiß- oder den Fettanteil im Essen zu erhöhen.

Von Daniela Grach, Fotos von Werner Krug

  

Eiweißreiche Diäten

 Zu den eiweißreichen Diäten zählen beispielsweise die „Eier-Diät“ (auch „Mayo-Diät“ genannt), die Max-Planck-Diät (die nicht vom wissenschaftlichen Max-Planck-Forschungsinstitut erstellt wurde), die „Glyx- Diät“ oder die Montignac-Methode, welche im Folgenden beschrieben wird. Zentrale These ist, dass Übergewicht durch eine übermäßige Zufuhr an „schlechten“ Kohlenhydraten entsteht. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel werden anhand des Glykämischen Index (GI) bewertet und in „gute“ und „schlechte“ eingeteilt. Der GI zeigt an, wie hoch der Blutzucker nach dem Verzehr von kohlenhydratreichen Lebensmitteln ansteigt, und zwar im Vergleich zum Referenzwert reine Glukose (Traubenzucker). Annahme ist, dass ein hoher Blutzuckerspiegel den Aufbau von Körperfett fördert bzw. die Fettverbrennung hemmt. Ziel ist es, die glykämische Antwort am Ende einer Mahlzeit niedrig zu halten. Die Prinzipien der Montignac- Methode bestehen darin, sich satt zu essen, drei Hauptmahlzeiten zu fixen Zeiten zu sich zu nehmen und keine Mahlzeit auszulassen, keine Knabbereien zwischendurch zu konsumieren und zu den Mahlzeiten kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit einem niedrigen GI zu wählen, wobei der Eiweißanteil höher und der Kohlenhydratanteil niedriger sein soll (durchschnittlich 37 % im Vergleich zu den empfohlenen 45–55 %). Weiters soll man zuckerhaltige Getränke meiden, Alkohol stark einschränken und Fette mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren bevorzugen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Ansatz, einfache Kohlenhydrate wie Zucker zu reduzieren, günstig. Gefahr besteht allerdings in der Einseitigkeit der Diät. Zudem wird der GI der Lebensmittel einseitig betrachtet und nicht im Rahmen einer Mahlzeit. Der hohe Eiweißanteil (rund 31 % im Vergleich zu den empfohlenen rund 15 %) und der in der Praxis erhöhte Anteil an gesättigten Fettsäuren ist kritisch zu betrachten. Risiko der eiweißreichen Diäten ist eine Überbelastung der Niere und die Entstehung von Gicht durch eine hohe Aufnahme von Purinen (Harnsäure) aus tierischen Lebensmitteln wie Fleisch und Fleischwaren.

 

Fettreiche Diäten

Zu den fettreichen Diäten zählen unter anderen die „Atkins-Diät“, die „South-Beach-Diät“, die „Lutz-Diät“, die „Punkte-Diät“ oder die „Rotationsdiät“. Als Beispiel wird hier die Atkins- Diät näher beschrieben. Bei dieser kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährungsweise werden keine Kalorien gezählt. Die Zufuhr an Eiweiß und Fett ist unbeschränkt, hingegen dürfen bei der Diät pro Tag max. 1–40 g Kohlenhydrate aufgenommen werden. (Mit einer ausgewogenen Ernährung nimmt ein Erwachsener täglich rund 250–400 g Kohlenhydrate zu sich.) Obst, Erdäpfel, Getreideprodukte wie Brot, Teigwaren, Reis etc., Milchprodukte und Zucker müssen gemieden werden. Der Gewichtsverlust funktioniert aufgrund der Bildung von Ketonkörpern, die appetithemmend wirken, sowie eines hohen Wasserverlustes. Aus wissenschaftlicher Sicht wird die Atkins- Diät kritisch betrachtet. Grund dafür sind ihre relative Einseitigkeit, die Gefahr des Anstiegs der Blutfettwerte und somit des Risikos einer Herz-Kreislauferkrankung, die Erhöhung des Harnsäurespiegels (Gicht), die Belastung der Nieren aufgrund der hohen Eiweißzufuhr, der Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen (Substitution notwendig) und der Mangel an Ballaststoffen (Verstopfung und eventuell erhöhtes Risiko bezüglich Darmkrebs).

 

Die Trennkost

Eine weitere bekannte Diät ist die Trennkost, die es in unterschiedlichen Varianten und Auslegungen gibt, z. B. „Fit for fun“, „Kensington- Diät“, „Köhnlechner-Trenn-Diät“ oder die ursprüngliche Form der „Hay‘schen Trennkost“. Grundprinzip ist die getrennte Aufnahme von Eiweiß und Kohlenhydraten in einer Mahlzeit. Fett wird als neutral betrachtet und kann zu beiden Gruppen kombiniert werden. Zur Eiweißgruppe (saures Milieu) werden Fleisch, Fisch, Käse unter 50 % F. i. Tr., magere Milchprodukte, Obst und gekochte Paradeiser gezählt. In der Kohlenhydratgruppe (basisches Milieu) finden sich Getreideprodukte, Erdäpfel, Bananen, Feigen und Datteln. Zur neutralen Gruppe zählen unter anderem Gemüse, Sauermilchprodukte, Käse ab 50 % F. i. Tr. und Nüsse. Als verboten gelten Zucker, Weißmehl, Hülsenfrüchte, Essig, Erdnüsse, Fertigprodukte etc. Es werden drei Mahlzeiten mit jeweils einer Pause von mind. 4 Stunden dazwischen empfohlen. Das Frühstück soll basenbetont, das Mittagessen eiweißreich und das Abendessen kohlenhydratreich sein. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der hohe Anteil an Gemüse und Obst positiv zu betrachten. Nachteile finden sich in der unausgewogenen Nährstoffzufuhr und den vielen Regeln und Verboten. Die Trennung von Eiweiß und Kohlenhydraten in einer Mahlzeit ist physiologisch nicht begründbar und daher nicht sinnvoll.

 

Einseitige Diäten …

… bei denen zudem die Kalorienzufuhr unter dem Grundumsatz (notwendige Energiezufuhr für lebenserhaltende Funktionen) liegt, sind abzulehnen, da sie zu einer Mangelernährung führen können und der Gewichtsverlauf auf dem Verlust von Wasser und Muskelmasse beruht. Als Folge des reduzierten Muskelanteils kann ein Jo-Jo-Effekt eintreten. Hier sind Diäten wie „Krautsuppendiät“, „Nulldiät“, „FdH“, „Negative Kalorien“, „Saftfasten“, „Schroth- Kur“, „Ananas- Diät“, „Apfel-Tage“, „Erdäpfel-Diät“, „Rohkost- Diäten“, die nicht wissenschaftlich belegbare „Blutgruppendiät“ und zahlreiche andere zu nennen. Formuladiäten, bei denen einzelne Mahlzeiten durch Nahrungsergänzungsmittel ersetzt werden, sind nur unter der Berücksichtigung einer gezielten Ernährungsumstellung als Resultat sinnvoll. Zu einer dauerhaften und gesunden Gewichtsreduktion kann nur eine Adaption des individuellen Ernährungsverhaltens mit professioneller Unterstützung von DiätologInnen, ÄrztInnen oder ErnährungswissenschafterInnen führen. Ein Bewegungskonzept bietet eine ideale Ergänzung und erhöht die Erfolgschancen. Extremdiäten sind nicht empfehlenswert.

 

Generell sollten Gewichtsreduktionsprogramme und Diäten anhand einiger Punkte kritisch hinterfragt werden:

  • Ist es Ziel des Programmes, das Ernährungsverhalten langfristig zu ändern?
  • Trägt das Programm zur Vermeidung von Mangelernährung und Jo-Jo- Effekt bei?
  • Ist ein sportwissenschaftlich erarbeitetes Bewegungskonzept inkludiert?
  • Beruht das Konzept auf wissenschaftlicher Basis?
  • Bei Einsatz diätetischer Lebensmittel: Entsprechen diese den aktuellen gesetzlichen Richtlinien?
  • Wird das Programm von DiätologInnen oder ÄrztInnen begleitet?

 

Rezepte zum Thema (von Haubenkoch Philipp Haiges):

Brokkoli-Erbsen-Apfel-Suppe

Gemüsecurry mit Koriander

Kalbstafelspitz auf Spinat mit Kirschtomaten

Lachs auf Karotten und Schalotten mit Thymian-Rahm

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