Gesund genießen im August: Ernährung bei Nierenerkrankungen

Durch die Filterfunktion der beiden Nieren werden für den menschlichen Organismus verwertbare Substanzen in den Körper rückresorbiert, belastende Stoffe werden ausgeschieden (Entgiftung). Bei Erkrankungen der Niere sind diese Funktionen eingeschränkt, was zu Beschwerden führt.

von Daniela Grach

Zu den lebensnotwendigen Aufgaben der Nieren in unserem Körper gehört die Regulierung von Wasser- und Elektrolythaushalt, Blutdruck, Säure-Basen-Haushalt, die Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe (Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin, Medikamente u. a.) und die Bildung von Substanzen wie beispielsweise dem Hormon Erythropoetin (wichtig für die Bildung und Reifung roter Blutkörperchen).

Nierenleiden
Zu den Nierenerkrankungen zählen u. a. Nierentumore, Nierensteine, Zysten, akutes und chronisches Nierenversagen, Entzündungen (Glomerulonephritis) usw. Die bei uns häufigste Nierenerkrankung ist eine chronische Niereninsuffizienz als Folgeerkrankung von Diabetes mellitus, vor allem vom Typ 2 („Altersdiabetes“). Auch Bluthochdruck kann die Nierenfunktion beeinträchtigen. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz (5 Stadien) ist die Filterfunktion der Niere dauerhaft und irreversibel eingeschränkt. Können die geschädigten Nieren Stoffwechselendprodukte, Giftstoffe sowie übermäßige Flüssigkeit nicht mehr ausreichend ausscheiden, muss ihre Funktion entweder durch eine Nierentransplantation oder ein Dialyseverfahren („Blutwäsche“) ersetzt werden.


Richtige Ernährung
Je nach Erkrankung, Nierenfunktion und Therapie spielt die Ernährung bei Nierenerkrankungen eine bedeutende Rolle. Primäres Ziel ist die Erhaltung und Verbesserung der persönlichen Lebensqualität. Die wesentlichen Aspekte bei der Ernährungstherapie von Nierenerkrankungen sind:

Reduzierung von Kochsalz führt zur Blutdrucksenkung bzw. besseren Wirkung blutdrucksenkender Medikamente, zu verminderten Wasseransammlungen (Ödeme) und zu einem verringerten Durstempfinden (bei einer Flüssigkeitseinschränkung). Deshalb ist auf salzreiche Lebensmittel wie Salzgebäck, verschiedene Wurst- und Käsesorten, Aufstriche, Fertigprodukte, gewisse Mineralwassersorten usw. zu verzichten.

Reduzierung von Phosphor vermeidet die Verkalkung von Gefäßen und Gewebe und beugt Osteoporose vor, also Zufuhr von phosphorreichen Lebensmitteln wie Leber, Eigelb, Hartkäse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkornbrot, Schokolade, Kakao u. a. einschränken.

Reduzierung von Kalium hilft, Herzrhythmusstörungen oder gar Herzstillstand zu vermeiden. Kaliumreiche Lebensmittel sind gewisse Obst- und Gemüsesorten, (nicht gewässerte) Erdäpfel, Trockenfrüchte, gewisse Mineralwassersorten u. a.

Flüssigkeitszufuhr
Je nach Stadium und Art der Erkrankung: reichliche Zufuhr fördert die Ausscheidung von Schadstoffen (Kalium, Harnstoff u. a.); eingeschränkte Zufuhr bewirkt die Schonung des Herzens oder vermindert den Blutdruckabfall bei Dialysebehandlungen. Neben Getränken ist auch der Flüssigkeitsgehalt von Speisen und Lebensmitteln zu beachten.

 

Ernährungstherapie je nach Stadium der Nierenfunktion:

Vor der Dialyse (Prädialyse)
Mit zunehmender Abnahme der Nierenfunktion muss die Zufuhr an Eiweiß, Phosphor, Kalium, Natrium (Kochsalz) und Flüssigkeit eingeschränkt werden. Durch eine eiweißarme Diät kann das Fortschreiten mancher Nierenerkrankungen und auch der Beginn der Dialysebehandlung manchmal verzögert werden. Die Eiweißmenge (zwischen 0,6 und 0,8 g/kg Normalgewicht) wird vom Arzt festgelegt. Im Vergleich dazu liegt die Empfehlung für gesunde Erwachsene bei 0,8–1 g/kg Körpergewicht. Um den Abbau körpereigener Muskelmasse zu vermeiden, sind eine ausreichende Energiezufuhr sowie die Wahl biologisch hochwertiger Eiweißquellen wichtig. Eine hohe biologische Wertigkeit bedeutet, dass ein hoher Prozentsatz des Nahrungseiweißes in körpereigenes Eiweiß umgebaut werden kann (Muskelaufbau). Optimale Kombinationen hierbei sind Gerichte mit Erdäpfeln und Ei, Weizen und Milch u. a.

Bei Dialysebehandlung
Das Dialyseverfahren übernimmt großteils die Filterfunktion der Nieren, dadurch kann der Anteil an übermäßigem Kalium, Phosphor, Natrium und Wasser im Körper reduziert werden. Mit Beginn dieser chronischen Nierenersatztherapie ändern sich die Ernährungsempfehlungen. Da während der Dialysebehandlung auch Aminosäuren (Eiweiße) verloren gehen, gilt eine vermehrte Eiweißzufuhr
von 1,2–1,3 g/kg Normalgewicht. Diese sollte durch tierische und pflanzliche Proteinquellen gedeckt werden. Eiweißreiche Lebensmittel enthalten auch unerwünschte Begleitstoffe, wie den Mineralstoff Phosphor. Phosphatbinder unterstützen medikamentös bei der Senkung des Phosphatspiegels im Blut.

Ärztliche Betreuung
Arzte und Diätologen sind bei Nierenerkrankung als Unterstützer unumgänglich! Sie helfen bei der Auswahl und Umsetzung der jeweiligen Ernährungstherapie, denn die individuell angepasste Ernährung bei Nierenerkrankungen kann wesentlich zum  physiologischen und persönlichen Wohlbefinden beitragen.

Rezepte zum Thema:
Erbsen-Tofu-Strudel
Fischlaibchen auf Erdäpfelstampf
Palatschinken mit Fruchtmarkfülle