Kinder gesund ernähren – (k)ein Kinderspiel?

Wer seinen Nachwuchs gesund ernähren will, steht heute mehr denn je vor einer großen Herausforderung. Denn es gilt eine Reihe an Dingen zu beachten, damit ein gesundes Essverhalten von Kindesbeinen an gelingen kann.


von Ulli Zika, Dipl. Ernährungsberaterin nach TCM, www.gesundundgut.at

 

Kritischer Blick
Zu allererst heißt es, das Angebot der Lebensmittelindustrie äußerst kritisch unter die Lupe zu nehmen. Wer für sein Kind ab dem zarten Babyalter mit Zucker und Aromen versetzte Fertigprodukte wählt, stellt schon früh die Weichen für einen verbildeten Geschmackssinn, der auch später nur schwer für naturbelassene und gesunde Mahlzeiten empfänglich sein wird. Neben vielen Babyflaschen-Nahrungen enthalten auch sogenannte „Kinderlebensmittel“ häufig viel Zucker, ungesunde Fette und künstliche Aromen, die aus unseren Kleinen schon früh Patienten mit verschiedenen Störungen oder sogar Krankheiten machen. Die häufig zugesetzten und beworbenen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sollten die Kleinen lieber mit frischen und natürlichen Produkten aufnehmen anstatt mit Kunstprodukten aus dem Lebensmittellabor.

 

Vorbildwirkung
Neben einer verantwortungsvollen Lebensmittelauswahl kann auch das Vorbildverhalten für die Erwachsenen eine große Herausforderung sein. Können Kinder bei ihren Eltern und Vorbildern kein gesundes Essverhalten beobachten, wird es ihnen schwer fallen, selbst einen gesunden Zugang zur Ernährung zu entwickeln.

 

Frisch gekocht
Ernährungsexperten sind sich einig: Frisch gekochte Nahrung mit hochwertigen saisonalen Grundprodukten ist die beste Basis für eine gesunde Ernährung. Wer einen großen Teil seiner Ernährung mit frisch zubereiteten pflanzlichen Produkten (frisches Obst, Gemüse, Nüsse, Samen, Kerne, Hülsenfrüchte und vollwertiges Getreide) abdeckt und dabei auf Abwechslung achtet, versorgt seinen Körper mit ausreichend Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Ballaststoffen. Das gilt auch für Kinder.

 

Hochwertiges Eiweiß
Proteine sind Grundbausteine und zählen zu den Hauptnährstoffen, die vor allem auch Kinder benötigen. Neben tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Käse enthalten Nüsse und Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen, Erbsen oder Kichererbsen wertvolles Eiweiß. Bei tierischem Eiweiß gilt das Motto „Qualität vor Quantität“. Billiges Fleisch aus Massentierhaltung ist einer gesunden Kindesentwicklung ebenso wenig dienlich wie ein zu hoher Fleischkonsum, häufig in Form von fettigem Fast Food.

 

Hochwertige Fette
Auch die Fette, die Kinder zu sich nehmen, sollten mit Bedacht ausgewählt werden. Hochwertige Fette fördern die Entwicklung und Gesundheit des Gehirns und sind daher für das heranwachsende Kind besonders wichtig! Minderwertige Fette hingegen, wie sie in Fertigprodukten und billiger Industrieware zu finden sind, können viel Schaden anrichten. Bio-Butter, hochwertige und kaltgepresste Pflanzenöle (Olivenöl, Kokosöl, Walnussöl) sowie das wertvolle Fett von Samen und Nüssen sind hingegen besonders empfehlenswert. Die auch im Fisch enthaltenen wertvollen Omega-3-Fettsäuren sollten regelmäßig am Kinderspeiseplan stehen und tragen maßgeblich zu einer gesunden Entwicklung bei.

 

Unsere Vorliebe für „süß“
Die Geschmacksrichtung „süß“ wird als „Sicherheitsgeschmack der Evolution“ bezeichnet denn es existiert nichts in der Natur, das süß und gleichzeitig giftig ist. urch den enthaltenen Milchzucker schmeckt bereits Muttermilch leicht süß und somit ist es keine Überraschung, dass Neugeborene automatisch Süßes lieben und Kinder für üße Sachen besonders empfänglich sind. Der süße Geschmack war zudem evolutionär immer Zeichen für eine hohe Energiedichte. Süß stellte also rasch viel Energie zur Verfügung – diese Präferenz ist im Hirnstamm, in tiefen Hirnregionen, gespeichert und ist daher bereits beim Neugeborenen vorhanden.

 

Achtung Zucker!
Es kann nicht früh genug begonnen werden, Kinder gegen einen hohen Zuckerkonsum zu schützen! Neben dem Verzicht auf industrielle Lebensmittel sei auch empfohlen, die Zuckerangaben in gängigen Rezepten (bei Kuchen, Torten, Süßspeisen) kritisch zu hinterfragen. Häufig ist ein Drittel bis die Hälfte der angegebenen Menge immer noch ausreichend. Der Gaumen gewöhnt sich an die Zuckermenge und wird bei einem moderaten Zuckerkonsum von Anfang an eben anders „geeicht“.

 

Natürliche Süße
Wer die Grundprägung und Vorliebe für Süßes sinnvoll nutzen möchte und weit verbreiteter Zuckersucht und frühkindlicher Diabetes vorbeugen will, setzt auf ausreichend natürliche Süße, wie sie in sonnengereiftem Obst und Gemüse sowie in Getreide und Nüssen enthalten ist. Der süße Geschmack z. B. in Karotten, Roten Rüben, roten und gelben Paprikaschoten, Kürbis, Mais, Erbsen, Hirse, Hafer, Nüssen, Butter, Milch, Gewürzen wie Vanille und Zimt sowie in süßen Früchten stärkt auch aus Sicht der Traditionell Chinesischen Ernährungslehre das kindliche Verdauungssystem. 

 

Farbenspiele und Phantasie einbeziehen
Mit bewusst gewählten Farben und ein wenig Phantasie lässt sich gesundes Essen für Kinder attraktiv gestalten. Rot, Orange und Gelb sind bei Kindern besonders beliebt – das „gesunde“ Grün hingegen braucht manchmal Tarnung oder zumindest Kombination mit anderen Farben. Aus dem belegten Brot lässt sich ein Clowngesicht zaubern, der Brokkoli wird zu Bäumchen, mit Erbsen können gepunktete Linien gezogen werden, Fisolen werden zu Sonnenstrahlen und aus der Gurke lässt sich schnell ein Krokodil zaubern. Frisches Gemüse punktet jedoch nicht nur durch seine strahlenden Farben, sondern, wie bereits erwähnt, auch durch seinen süßlichen Geschmack. Zudem stellt das in buntem, aromatischem Obst und Gemüse reichlich enthaltene Betacarotin, die Vorstufe für Vitamin A, einen weiteren gesundheitlichen Mehrwert dar.

 

Geduld bei Neophobie
Häufig lehnen Kinder vorerst das Probieren neuer Lebensmittel oder Speisen ab. Den Gipfel erreicht dieses Verhalten im Alter von 2–6 Jahren, danach nimmt es langsam ab und stabilisiert sich im Normalfall im Erwachsenenalter. Eltern geben in dieser Phase oft zu schnell auf. Es heißt, einem Kind muss ein neues Lebensmittel 10–20-mal angeboten werden, bis es dieses isst! Also: Wiederholen, wiederholen, wiederholen und viel Geduld lautet hier die Devise!

 

Kinder einbeziehen
Je mehr Kinder von Anfang an bei der Auswahl und Zubereitung des Essens einbezogen werden, umso leichter wird für sie ein positiver Bezug zum (gesunden) Essen herstellbar. Ob Salat waschen und Kräuter abzupfen, dekorieren oder umrühren – Kinder können schon früh in der Küche mithelfen. Das gemeinsame Kochen schult zudem Kreativität, Sinne und Motorik und schafft nicht zuletzt einen gesunden Zugang zur eigenen Ernährung.

 

Unterschiedliche Varianten anbieten
Kinder müssen die enorme Vielfalt an Lebensmitteln und Speisen erst entdecken und Neues immer wieder ein- und zuordnen. Gerade wenn wertvolle Lebensmittel in der einen Form abgelehnt wurden, können die Kleinen in einer anderen Zubereitungsform möglicherweise Gefallen daran finden. Wird die Karotte als Rohkost verweigert, kann sie als Suppe durchaus gemocht werden, stößt Cremespinat auf Ablehnung, findet vielleicht ein Spinatstrudel mit etwas Käse Anklang. Variieren Sie also und bereiten Sie gesunde Lebensmittel immer wieder anders zu. Konsistenz, Form und Kombination zu verändern, hilft den Kleinen, Zugang zur Vielfalt zu entwickeln und bereits abgelehnte Lebensmittel wieder ins Repertoire aufzunehmen.

 

Wir zeigen anhand von 3 Beispielen, wie ein Produkt auf verschiedene Arten zubereitet, angeboten werden kann. Eine Variante eignet sich auch immer als Jause zum Mitnehmen.

 

Mais

 

Kürbis
Forelle

Forellenfilet-Stäbchen in Dinkelmehl und Sesam mit Kräuter-Joghurtsauce

 

Kochen für Kinder