Offener Brief an die Redaktion der Kronen Zeitung

Die Falschmeldung muss richtiggestellt werden!

Empört über die heutige Titelseite der "Kronen Zeitung" zeigt sich der Präsident des Verbandes der Agrarjournalisten und -publizisten in Österreich (VAÖ), Josef Siffert. Das Blatt hatte berichtet, der frühere EU-Agrarkommissar Franz Fischler habe bei einer Veranstaltung des VAÖ "freie Bahn für die Gentechnik" gefordert. Diese Darstellung wird von Siffert heftig dementiert. In einem Offenen Brief an die "Neue Kronen Zeitung" fordert er eine Richtigstellung.

Im Folgenden wird der Wortlaut dieses Briefes wiedergegeben:

Sehr geehrte Redaktion!

Wenn sich eine Zeitung ohne Wenn und Aber in den Dienst einer politischen Partei stellt, so ist das ihre Sache und vielleicht noch die Sache ihrer Leser. Wenn jedoch zu diesem Zweck eine glatte Falschmeldung über eine Veranstaltung eines internationalen Verbandes (International Federation of Agricultural Journalists; IFAJ) herhalten muss, dann ist das nicht nur journalistisch absolut unredlich, dann grenzt das an Rufschädigung und ist auch in Wahlkampfzeiten zu verurteilen.

Der Verband der Agrarjournalisten und -publizisten in Österreich verwehrt sich gegen diese Art von "Berichterstattung" (heutige Ausgabe; Artikel: "Fischler will freie Bahn für die Gentechnik" u. a.), die mit der tatsächlichen Veranstaltung nichts, nicht einmal die exakte Bezeichnung der Veranstalter gemeinsam hat. Wir verbitten uns ausdrücklich, dass eine hochkarätige Diskussion über die Verantwortlichkeit der Journalisten parteipolitisch missbraucht wird.

Da weder der zeichnende noch der kommentierende Redakteur an dieser Veranstaltung vom 11.09. in Graz teilgenommen hat, stammen deren Informationen offenbar aus der bekanntlich verlässlichen Quelle des "Hörensagens". Der im Artikel zitierte Franz Fischler hat sich in keinem Teil der eineinhalbstündigen Debatte für den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft in Österreich beziehungsweise in der EU ausgesprochen. Er hat seine Haltung in der Diskussion auch deutlich unterstrichen.

Doch offenbar hat der Informant Ihres Blattes ernste Probleme mit der englischen Sprache (die gesamte Diskussion fand in englischer Sprache statt und wurde nicht übersetzt) und hat Franz Fischer (unbewusst oder bewusst) fehl-, miss- oder gar nicht verstanden.

Es wäre ein Gebot der journalistischen Fairness, diese Fehlmeldung richtigzustellen, da weder Franz Fischler noch die IFAJ es verdient haben, mit Falschmeldungen und erfundenen Aussagen in eine derartige Wahlkampfauseinandersetzung hineingezogen zu werden.

Hochachtungsvoll

Dr. Josef Siffert

VAÖ-Präsident

Kurt Ceipek

VAÖ-Schriftführer