Sind unsere Lebensmittel ethisch sauber?

Auf Initiative des Kurhotels Pirawarth und des Köcheverbandes diskutierten Experten die Voraussetzungen und Grenzen für ein gesundes Nahrungsmittelangebot.

S. Dörre (Verband der Köche Österreichs, Obmann Sektion Wien), H. G. Loher (Geschäftsführer, Klinik und Kurhotel Pirawarth), Haubenkoch S. Kröpfl.   (Foto: Nebuda)Bio, naturbelassen, gentechnikfrei – gesunde Lebensmittel tragen in der Werbung die verschiedensten Attribute. Doch wie ernsthaft verfolgen Hersteller, Handel und Gastronomie den verkündeten Qualitätsanspruch tatsächlich? Und wie kann der Konsument zu einem hochwertigen und „ethisch sauberen“ Angebot beitragen? Diesen Fragen stellten sich Experten bei einer Podiumsdiskussion im Wiener Raiffeisenforum.

Hans-Günther Loher, Geschäftsführer der Klinik und des Kurhotels Pirawarth, betonte gleich zu Beginn die Macht der Konsumenten durch ihre Kaufentscheidung. Der verantwortungsvolle Verbraucher könne durch Wissen und Nachfrage Bezugswege und Produktionsbedingungen beeinflussen. Der als „Weinpfarrer“ bekannte Priester Hans Denk plädiert für eine Gesundheitsvorsorge durch gesunde Ernährung, die jedem zugänglich sein soll.

Durch Ernährungsumstellung könne der medikamentöse Einsatz reduziert werden, betonte auch die ärztliche Leiterin der Klinik und des Kurhotels Pirawarth, Monika Rupp-Adelmann, die Rolle hochwertiger Nahrungsmittel und hob die Eigenverantwortung der Konsumenten hervor. „Mit einem bewusst präventiven, gesunden Ernährungsverhalten kann die Lebensqualität deutlich verbessert werden.“

Gerfried Pichler, Geschäftsführer der Herstellerfirma Frisch und Frost, sieht die faire Bezahlung der Landwirte, Lieferanten und Mitarbeiter als ein Schlüsselkriterium, wenn es um die Verfügbarkeit von gesunden Rohstoffen für die Nahrungsmittelindustrie geht. Gesunde, qualitativ hochwertige Lebensmittel sollten zu vernünftigen Preisen für jedermann verfügbar gemacht werden. Der Handel dürfe seine Gewinnspannen bei höherwertigen Nahrungsmitteln nicht unnötig vergrößern, sondern sollte sich an den Herstellungskosten orientieren.

Geht es nach Sepp Holzer, Landwirt und Begründer der Holzer´schen Permakultur, so kann ein gesundes Leben sogar günstiger sein. Der respektvolle Umgang mache die Natur zur unerschöpflichen Apotheke, die für jeden leistbar ist. Holzer sieht in den Vermarktungsregeln, die oft einseitig auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet sind, einen der Hauptgründe, warum sich naturnahe Produktions- und Vertriebskonzepte nur schwer umsetzen lassen und fordert ein Umdenken im Interesse der nächsten Generationen.

Während für Haubenkoch Siegfried Kröpfl und den Obmann des Wiener Köcheverbandes, Siegfried Dörre, das regionale und saisonale Warenangebot Vorrang gegenüber exotischen Importen hat, warnen die Ernährungsexpertinnen Andrea Hofbauer und Elisabeth Brandl vor dem zu großen Angebot, das viele Leute regelrecht überfordert. Hofbauer: „Richtige Ernährung ist ein Bildungsauftrag, der schon im Kindesalter verpflichtend wahrgenommen werden sollte!“

Daniel Hackenberg, Vorstand der European Association for Sustainable Development, erklärte den Unterschied zwischen Nahrungs- und Lebensmitteln. „Lebensmittel sollten die nötigen Aufbaustoffe für ein geistiges, seelisches und körperliches Gedeihen des Menschen liefern, Nahrungsmittel sättigen bestenfalls, sind aber keine Träger qualitativer Ernährung.“

Die Teilnehmer waren sich einig, dass selbst in konjunkturell schwierigen Zeiten allen Konsumenten ein qualitativ hochwertiges Angebot an Lebensmitteln zur Verfügung stehen sollte.

Mehr Infos: www.frisch-frost.at , www.kurhotel-pirawarth.at