Tee-Saft-Fasten nach Dr. Otto Buchinger

Das Buchinger Tee-Saft-Fasten ist eine Trinkdiät mit sehr wenigen Kalorien, welche die Regeneration des menschlichen Organismus und der Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren soll. Die ganzheitliche Fastenmethode wurde vom Mediziner Otto Buchinger in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts begründet. Aus eigener Erfahrung kannte er die lindernde oder sogar heilende Wirkung des Fastens unter ärztlicher Aufsicht bei chronischen Erkrankungen. Wesentliche Ziele der Methode sind die Umstellung der Fastenden auf eine gesunde Lebensweise sowie das Bewusstsein, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.

Von Daniela Grach

 Fasten, der freiwillige Verzicht auf Nahrung, ist keine neue Erfindung, sondern eine physiologische Fähigkeit von Tieren und Menschen, sich an ein schwankendes Nahrungsangebot anzupassen. In Zeiten ohne Kühlschrank und Vorratshaltung waren Fastenperioden von der Natur oftmals vorgegeben. Der natürliche Rhythmus zwischen Essen und Essenspausen wird bei uns aufgrund des bestehenden Überangebots an Nahrungsmitteln kaum mehr beachtet. Ein Beispiel für den natürlichen Rhythmus zwischen Nahrungsaufnahme und Fastenzeiten wäre die (kurze) Zeitspanne der Nahrungsenthaltung während der Nacht und vor dem Frühstück („breakfast“ bedeutet „Fastenbrechen“). In der Natur gibt es ebenfalls Jahreszeiten, in denen es Nahrung in Hülle und Fülle gibt, und Zeiten, in denen das Angebot karger ist.


Krankheiten vorbeugen

Eine übermäßige Nahrungszufuhr kann den Körper überfordern und die Entstehung von Krankheiten fördern. Heilfasten bei Erkrankungen (unter ärztlicher Aufsicht) und Fasten für Gesunde (zur Prävention von Erkrankungen) zeigen, was wir alles an Unnötigem und Verzichtbarem zu uns nehmen. Therapeutisches Fasten mit ärztlicher Begleitung wird bei Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Übergewicht (Adipositas), Rheuma, Migräne, Hauterkrankungen, Nahrungsmittelallergien, Gicht, Atemwegserkrankungen, Magen-Darmerkrankungen, menopausalen Störungen, Erschöpfungszuständen und anderen Störungen eingesetzt. Vorbeugendes Fasten, unter Begleitung einer ausgebildeten Fastenleiterin/eines Fastenleiters, kann Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyzeride), Bluthochdruck, Übergewicht, psychosozialen Stress, Rauchen u. a. reduzieren helfen. Vor dem Beginn des Heilfastens wird durch eine medizinische Untersuchung abgeklärt, ob es eine passende Heilmethode für den Patienten/die Patientin darstellt. Fasten ist beispielsweise nicht geeignet für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende, bei Essstörungen, Krebserkrankungen und bei mangelernährten Personen.


Fasten, nicht Hungern

Fasten ist mehr als nur auf Nahrung zu verzichten. Die Fastenmethode nach Buchinger beginnt mit mindestens einem Entlastungstag, an dem auf eine ausgewogene ovo-laktovegetabile Ernährung (ohne Fleisch und Fisch) mit einem hohen Anteil an Obst, Gemüse, Getreideprodukten, fettarmen Milchprodukten, reichlicher Flüssigkeitszufuhr und dem Verzicht auf Genussmittel geachtet wird. Der Einstieg ins Fasten erfolgt mittels Darmentleerung, meist durch die Einnahme von Glauber- oder Bittersalz bewirkt. Die Verpflegung an den Fastentagen (mindestens fünf) besteht aus einer klaren Gemüsebrühe (basische Wirkung) sowie kleinen Mengen an hochwertigen Obst- oder Gemüsesäften, die langsam gelöffelt werden. Die reichliche Flüssigkeitszufuhr soll mit verschiedenen (Kräuter-)Tees sowie Wasser gedeckt werden. Das Fasten kann individuell, beispielsweise durch die Ergänzung mit Milchprodukten, angepasst werden. Fasten bedeutet nicht Hungern, denn durch den Fastenstoffwechsel wird das Hungergefühl unterdrückt und der Körper „von innen“ versorgt. Eine Ergänzung mit Vitaminen oder Mineralstoffen ist bei Gesunden während des Fastens nicht notwendig, da der Körper die Ausscheidung dieser Stoffe reduziert. Zum richtigen Fasten gehören sowohl die tägliche Darmpflege, Anwendungen aus der Kneipp-Therapie, wie auch Bewegung (an Frischluft) und Ruhephasen, um die Entgiftungsfunktionen des Körpers zu unterstützen. Auch dem seelischen und geistigen Aspekt des Fastens sollte Raum gegeben werden.


Die Aufbautage

Ein wesentlicher Teil des Fastens sind die Aufbautage, an denen die Nahrungszufuhr langsam wieder der Normalkost angepasst wird und einem Jo-Jo-Effekt (übermäßige Gewichtszunahme) vorgebeugt wird. Durch das Fasten werden die Sinnesorgane geschärft, so auch der Geschmacksund Geruchsinn, wodurch Salz und Süßungsmittel nur sehr sparsam benötigt werden. Die erste Mahlzeit nach den Fastentagen stellt meist ein Apfel dar, gefolgt beispielsweise von einer Gemüsesuppe zu Mittag sowie gedünstetem Gemüse und gekochten Erdäpfeln mit einem fettarmen Kräutertopfen als Abendessen. In und nach den Aufbautagen sollte die Chance zur Umsetzung einer gesunden Ernährung, ausreichender Bewegung und von Vorsätzen, die während der Fastentage gefasst wurden, genutzt werden. Fasten ist keine Diät zur Gewichtsreduktion und bedeutet nicht Hungern. Der freiwillige Nahrungsverzicht für einige Tage bietet die Möglichkeit, Lebensgewohnheiten zu überdenken und zu einem gesünderen Ernährungs- und Lebensstil zu finden.

 

Literatur zum Thema

 Dr. Med. Hellmut Lützner „Wie neugeboren durch Fasten“
Entschließt man sich als Gesunder selbstständig zu fasten, sollte man das nicht ohne die richtige Vorbereitung tun. „Wie neugeboren durch Fasten“ von Dr. med. Hellmut Lützner liefert leserfreundlich aufbereitet alle wichtigen Infos, die der Fastende braucht – von der mentalen Vorbereitung über die Entlastungstage, das Tee-Saft-Fasten, die Aufbautage und die Zeit danach. Ein unverzichtbarer Leitfaden (inkl. einiger Rezepte) für alle, die sich wirklich auf die Erfahrung des Voll Fastens einlassen und ihren Körper verstehen lernen wollen.
Reihe: GU Ratgeber Gesundheit, 128 Seiten, mit ca. 30 Farbfotos und -illustrationen, Format: 16 x 21,5 cm, Softcover ISBN 978-3-8338-0700-8 € 13,40

 

 Dr. Med. Hellmut Lützner/ Helmut Million „Richtig essen nach dem Fasten“
Das Ende der Fastenwoche bedeutet gleichzeitig das Ende der strikten Regeln und den langsamen Kostaufbau. Manch einer fühlt sich jedoch zurück in der „Freiheit“ etwas verloren. Wie soll’s jetzt weitergehen? Was darf/soll ich essen, was soll ich gerade zu Beginn meiden? Wie viel ist notwendig, um den Körper ausreichend zu versorgen? „Richtig essen nach dem Fasten“ von Dr. med. Hellmut Lützner und Helmut Million liefert jede Menge Tipps und nützliche Informationen für das richtige Essverhalten während der Aufbautage und in der Nachfastenzeit. Zudem gibt es zahlreiche Vollwertrezepte, die zeigen, dass auch das richtige Essen nach dem Fasten ein Genuss sein kann.
Reihe: GU Ratgeber Gesundheit, 128 Seiten, mit ca. 55 Farbfotos, Format: 16 x 21,5 cm, Softcover plus GU-Folder ISBN 978-3-8338-0946-0 € 13,40

 

Rezepte zum Thema
Möhrenbrühe für den Entlastungstag (Rezept aus „Wie neugeboren durch Fasten“)
Gefüllte Spinatpfannkuchen (Rezept aus „Richtig essen nach dem Fasten“)
Fünfkornbratlinge (Rezept aus „Richtig essen nach dem Fasten“)

 

Weiterführende Links 

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