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lilian / 04.02.2019

Eiweißbombe Wachtelbohne

Gut und gesund

In der kältesten Zeit des Jahres ist ja im Garten nicht besonders viel los. Wer allerdings im Vorjahr fleißig gegartelt und die Vorratskammer gefüllt hat, kann auch im Winter die Früchte des eigenen Gartens genießen. Eine besonders lange und gute Lagerfähigkeit zeichnet z. B. die Wachtelbohne aus. Gerade im Winter lassen sich wunderbare Gerichte aus der milden und anspruchslosen Hülsenfrucht zaubern.

TEXT, REZEPTE UND FOTOS: Karin Sidak, tatort-kueche.at 

 

Die Kultivierung der Wachtelbohne begann in Mitteleuropa im 16. und 17. Jahrhundert, wobei das Rankengewächs vorerst meist als Zierpflanze eingesetzt wurde. Ursprünglich stammt die Wachtelbohne aus Süd- und Mittelamerika, wo sie schon um 6000 v. Chr. angebaut wurde. In der Antike galt die Bohne als Aphrodisiakum, im alten Ägypten wurde sie als nährende Grabbeigabe mitgegeben.

 

Im vorchristlichen Griechenland wurden Bohnen sogar als eine Art Orakel verwendet: War ein höheres Amt ausgeschrieben, so gab man eine weiße und mehrere dunkle Bohnen in ein Gefäß. Wer die weiße Bohne zog, war des Amtes würdig. Man nahm an, dass die Seelen der Verstorbenen in den Bohnenkernen lebten und den geeigneten Kandidaten auswählen würden. Die älteste Abbildung von Wachtelbohnen im deutschen Sprachraum findet man im Kräuterbuch von Leonart Fuchs, der sie dort 1543 als „Welsch Bonen“ bezeichnet.

 

BOTANISCH

 

Die Stangenbohne gehört zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler und zählt zu den Körnerleguminosen. Sie windet sich bis zu 4 m an aufgestellten Kletterhilfen entlang. Die einjährige Pflanzeblüht von Juni bis September und bildet dann Hülsenfrüchte mit  6–8 Samen bzw. Bohnen aus. Die Wachtelbohne ist rot-braun-beige gesprenkelt, der Ähnlichkeit ihres Farbmusters mit jenem von Wachteleiern
verdankt sie auch ihren Namen. In Übersee nennt man die enge Verwandte unserer gemeinen Gartenbohne übrigens „Pintobohne“.

 

DIE WACHTELBOHNE IM GARTEN

 

Die Bohnenpflanze benötigt viel Sonne und Wärme, daher kann mit dem Aussetzen frühestens Mitte bis Ende Mai begonnen werden. Es ist von Vorteil, die Pflanzen erst in kleinen Töpfen vorzuziehen. Die Keimlinge werden mäßig mit warmem Wasser gegossen, zu viel Feuchtigkeit könnte sie schimmeln lassen.

 

Als Klettergerüst eignen sich hohe Stangen, eine Pergola oder ein Drahtzaun. Pro Stange sollten ca. 6 Keimpflänzchen gesetzt werden, am Zaun entlang etwa alle 10 cm eine. Sobald sich Blüten ausgebildet haben, muss in trockenen Perioden immer gut gegossen werden! Der Boden muss gut belüftet und locker sein. Erst nach 3 Jahren sollte man an die gleiche Stelle im Garten wieder Bohnen pflanzen. Haben die Hülsen schöne Bohnen ausgebildet, kann geerntet werden.

 

Die frischen Bohnen sollten sofort verzehrt oder roh eingefroren werden. Möchte man die Bohnen hingegen getrocknet aufbewahren, so dürfen die Hülsen an der Pflanze braun werden. Dann löst man die Samen aus, trocknet sie am besten an der Sonne und lagert sie schließlich dunkel und vor Feuchtigkeit geschützt.

 

BOHNEN UND GESUNDHEIT

 

Schon Hildegard von Bingen äußerte sich im 12. Jahrhundert positiv über den Wert der Bohne bei Magen- und Darmbeschwerden: „Wer Schmerzen in den Eingeweiden hat, der koche die Bohne in Wasser unter Beigabe von etwas Öl oder Fett, und er schlürfe nach dem Entfernen der Bohnen die warme Brühe. Dies tue er oft, und es heilt ihn innerlich.“ Als Krankenkost empfiehlt sie aus trockenen Bohnen gewonnenes Bohnenmehl, da es leicht ist und mühelos verdaut werden kann. Bohnen haben einen beachtlichen Gehalt an verdauungsfördernden Ballaststoffen und sind ein wichtiger Proteinlieferant, getrocknet enthalten sie ca. 20 % Eiweiß.

 

Für Veganer, die sich oft durch das Fehlen von Fleisch und auch Eiern recht proteinarm ernähren, sind Bohnengerichte unverzichtbar. Sie liefern Kalium und Eisen sowie Vitamin A, C, E, B1 und B2. Bohnen geben ihre Kohlenhydrate nur langsam in die Blutbahn ab. Sie sind auch für Diabetiker geeignet, denn sie halten den Blutzuckerspiegel konstant und geben uns lange das Gefühl, satt zu sein.

 

Die Rezepte

KS_Gebackene%20Bohnen.jpgBaked Beans mit Spiegelei
KS_Steirerhummus.jpgSteirischer Hummus
KS_Bohnen-Brownies.jpgSaftige Bohnen-Brownies

 

Kochen & Küche 1 / 2019

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