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onlineredaktion / 24.08.2017

Gesund genießen

Ernährung bei Gallenbeschwerden

Gesund essen für die Galle

Gesund essen für die Galle

von Dr. Irmgard Fortis, Allgemeinmedizinerin und Buchautorin mit dem Schwerpunkt Ernährungsmedizin

Bei etwa jedem fünften Erwachsenen in den Industrienationen werden Gallensteine vermutet. Auch wenn die Steine häufig keine Beschwerden verursachen: Vorbeugung durch die richtige Ernährung ist möglich und kann Komplikationen verhindern. Nach einer Gallenblasenentfernung sorgt eine vernünftige Speisenauswahl für Linderung der Beschwerden.

 

Aufgaben der Gallenblase

Aufgaben der Gallenblase Die ersten wichtigen Stationen der Nahrung in der Verdauung sind Mund und Magen. Im Mund werden Speisen zerkleinert und sozusagen „vorbereitet“, der Magen bereitet sie weiter auf. Wenn der Speisebrei vom Magen in den Darm übertritt, werden Gallenblase (in der Grafik in Grün dargestellt) und Bauchspeicheldrüse aktiv. Die Gallenblase dient als Vorratsspeicher für die Galle. So können bei Bedarf größere Mengen Gallenflüssigkeit in den Darm abgegeben werden. Die Aufgaben der Gallenflüssigkeit sind: 
  • Verdauung und Aufnahme von Fetten, damit der Körper sie verwerten kann.
  • Abbau und Ausscheidung von Stoffen, die der Körper nicht mehr braucht Neutralisierung des Magensaftes; er wird so für den Darm unschädlich gemacht.
  • Wirkung gegen Bakterien: Versuche haben gezeigt, dass Stoffe in der Galle Bakterien im Wachstum hemmen und sogar abtöten können.

Grafik: fotolia.com (bearbeitet von Florian Spielbauer, Wien)

Gallenflüssigkeit – Freund oder Feind?

Gallenflüssigkeit bietet Schutz vor Darminfektionen und ist für die Verdauung unabdingbar. Ihre Inhaltsstoffe können aber zum Problem werden: So zum Beispiel, wenn ein vergleichsweise hoher Anteil an Cholesterin darin enthalten ist. Gallensteine bestehen fast immer hauptsächlich aus Cholesterin. Diese und andere
Substanzen können Kristalle bilden, die zwar häufig unbemerkt bleiben, aber auch zu Beschwerden führen können.

 

Risikofaktoren

Gallensteine können bei jedem Menschen entstehen. Die Häufigkeit steigt jedoch mit dem Alter. Weitere erwiesene Risikofaktoren sind:
  • fettreiche Ernährung: Auffallend viele Gallensteinträger konsumieren fett- und cholesterinreiche Nahrung
  • Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder erhöhte Blutfette
  • großer Gewichtsverlust in kurzer Zeit
  • bei Frauen: Hormoneinnahme, aber auch schwangerschaftsbedingte Hormonumstellungen
  • häufiger Konsum von industriell verarbeiteten Lebensmitteln (Fertigprodukten): Die berüchtigten Transfettsäuren sowie raffinierte Kohlenhydrate machen die Gallenflüssigkeit schwerer löslich.

 

Wann werden Gallensteine zum Problem?

Bei rund einem Viertel der Betroffenen treten mit der Zeit Symptome in Form anfallsartiger Schmerzen auf, die im Oberbauch bzw. rechts unterhalb vom Rippenbogen zu spüren sind: die Gallenkolik.
Bei einer Kolik können die Schmerzen bis hin zur rechten Schulter oder ins Schulterblatt reichen. Manchmal lassen sie sich nur schwer von anderen Schmerzen und Erkrankungen unterscheiden. Es kann zu Schweißausbrüchen, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Die Beschwerden können von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden dauern und sind individuell verschieden. Manchmal werden sie auch durch eine Mahlzeit ausgelöst oder verstärkt. Bei heftigen oder wiederkehrenden Beschwerden sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, um ernstere Komplikationen zu verhindern. Die Behandlung von Gallensteinen hängt in erster Linie von ihrer Zusammensetzung ab. Oft kann medikamentös therapiert werden, manchmal ist eine Operation nötig. Ob vorbeugend
oder begleitend, die entsprechende Ernährung ist immer ein wichtiger Therapiefaktor. Was bedeutet das für meine Ernährung?
Eine ausgewogene, cholesterinreduzierte Ernährung kann einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der Galle leisten und Beschwerden lindern oder heilen. Einige allgemeine Richtlinien sollen dabei helfen: Vermeiden Sie
  • sehr fettreiche Speisen, darunter auch Frittiertes, fette Fleisch- und Wurstwaren oder Saucen
  • schwer verdauliche, blähende Speisen wie etwa Hülsenfrüchte, große Mengen Zwiebeln oder Knoblauch, Kraut oder frisches Brot
  • Speisen und Getränke, die den Verdauungstrakt reizen, wie z. B. Bohnenkaffee, Kohlensäure, Scharfes, große Mengen Süßes, aber auch sehr heiße oder sehr kalte Speisen.
  • Salz – greifen Sie stattdessen zu frischen Kräutern und milden Gewürzen.

 

Tun Sie Ihrem Körper Gutes, indem Sie
  • regelmäßig kleine Mahlzeiten verzehren – am besten alle drei bis vier Stunden eine kleine Portion
  • sich Zeit nehmen: Vermeiden Sie hastiges Essen
  • gründlich kauen: Konzentrieren Sie sich bewusst auf Ihre Speise
  • auf verträgliche Zubereitung achten: Garen, Dünsten, Dampfgaren, Braten im Ofen und die Zubereitung im Wasserbad sind am besten geeignet
  • auf radikale Diäten oder Fastenkuren verzichten. Wird wenig gegessen, wird auch weniger Gallensaft ausgeschüttet, der Gallensaft dickt ein. Auch das begünstigt die Steinbildung!
Die folgenden Rezepte stammen aus dem Buch:
Ernährung bei Gallensteinen Irmgard Fortis, Johanna Kriehuber, Ernst Kriehuber
Ernährung bei Gallensteinen und nach der Gall enbl asenentfernung
4., überarbeitete Auflage 2017, 160 Seiten, 4-farbig, Klappenbroschur,
maudrich Verlag
ISBN 978-3-99002-044-9 € 16,90

 

 

 

 

 

 

 

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